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Das Jahr 2017 ist das Jahr Nummer Eins im US-Präsidentschafts-Zyklus, das Jahr Nr. 8 der aktuellen Aktienmarktrallye und das Jahr  Nr. 38 der Anleihenrallye. Und jetzt betritt eine US-Regierung die  Bühne, die sich durch persönlichen Reichtum, politische Unerfahrenheit und ideologische Radikalität auszeichnet. Die Machtergreifung ähnelt in Vielem der unglücklichen Präsidentschaft Hoovers im 1929 bis 1933.

Im Zeitgeist-Beitrag über Charakteristika von „7“er Jahren wiesen wir auf Preis-Muster im 10-Jahres-Zyklus hin. Demnach kann ein Investor froh sein, wenn die Jahresrendite überhaupt positiv ist. „7“er-Jahre sind geradezu für extreme Preismuster prädestiniert.

Präsidentschaftszyklus

Abbildung 1: Preisentwicklung von US-Aktien 1,3,6,9,12,24,36,48 Monate nach der Amtseinführung.

Im  Marktbericht 49/16 haben wir die Preisentwicklung von US-Aktien in den vier Jahren einer jeden US-Präsidentschaft analysiert. Neben der fast trivialen Feststellung, dass selbst die erste Amtszeit Obamas aktientechnisch zu den erfolgreichsten Perioden zählt, fällt der sehr zähe Start der Regierungen ins Auge. Betrachtet man punktuell die Preisentwicklungen nach einem, drei, sechs und neun Monaten, dann sind die Preise im Bereich ±10% um den Marktwert bei der Amtsübernahme hin- und her gependelt.

Parallelen zur Ägide Hoover

Beim Blick auf Preisveränderungen nach einem Machtwechsel in Washington fallen die Gemeinsamkeiten der Gegenwart und der Situation im Frühjahr 1929 ins Auge

  • Aktienmarktrallye 1921 – 1929
  • Aktienpreise steigen trotz verhaltener ökonomischer Entwicklung
  • Starke Einkommensgegensätze zwischen Stadt und Land
  • Extreme Bewertung von Vermögenswerten. (Shiller-KGV: 1928: 28, 2017: 28)
  • Hoover: Radikale Reform der Landwirtschaft
  • Abbildung 2: Preisentwicklung des Dow Jones Industrial im Zeitraum 1919 bis 1934

    Hoover: Konjunkturprogramm trotz Vollbeschäftigung

Auch wenn Hoover politisch den Gegenentwurf zu Trump verkörperte, erprobte er unter vergleichbaren Rahmenbedingungen Neues – mit fatalen lokalen und globalen Konsequenzen.

Fazit

Während der Präsidentschaft Obama hat sich das Shiller-KGV nahezu verdoppelt. US-Unternehmen sind aktuell höher bewertet, als 2007. Nur während der Dot-Com-Bubble und nach der Wahl Hoovers im Jahre 1929 war die Bewertung höher. Dies spricht nicht gegen weiter steigende Notierungen. Dies spricht fundamental gegen nachhaltig weiter steigende Preise.

Es gibt einige Parallelen zur Präsidentschaft Hoovers 1929 bis 1933. In den ersten sechs Monaten seiner Amtszeit konnte sich Hoover der Unterstützung weiter Bevölkerungsteile sicher sein, es herrschte Jubelstimmung. Gemäß der Abb. 2  ist der Beginn der Ägide Hoover mit der positivsten Marktentwicklung überhaupt verbunden – danach allerdings auch mit den größten Verwerfungen.
Nachdem die Aktienmärkte seit 2009 “gegen eine Mauer der Angst” gestiegen sind, hat sich nun der Optimismus durchgesetzt. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass die Marktpreise das aktuelle Niveau maximal halten können. Weitere Preissteigerungen sehen wir als nicht nachhaltig an – auch ohne geopolitisches Störfeuer.

Um zu Shiller zurückzukehren. In seinem Buch «Irrational Exuberance» notiert er:«All financial booms have been accompanied by a type of herd thinking in which investors believe they have entered a new era»