Dr. H. Bischoff

Anleihen sind als Renditequelle in einem Vermögensbildungs- oder Altersvorsorgedepot unverzichtbar. Seit der Finanzkrise haben die Notenbanken zwecks Konjunkturstimulation die Renditen für Anleihen künstlich niedrig gehalten. Diese Periode scheint jetzt zu Ende zu gehen. Mit Anleihen aus Asien gelingt es, der Eigenkapitalfalle zu entkommen und auch in Zeiten steigender Marktzinsen attraktive Kuponerträge zu erzielen.

In einem früheren Zeitgeistbeitrag dokumentierten wir unsere Überlegungen, die zu einem strategischen Investment in den „High Yield Bond ETF“ (HYG) angestellt wurden. Man sollte nicht alles auf eine Karte setzen und insbesondere Anleihen der höchsten Risikoklasse nur in vertretbaren Dosen ins Depot integrieren. Deshalb suchen wir eine sinnvolle Diversifizierung.

In der Betrachtung über den Anleihemarkt in China stimmen wir der Ansicht Standard Chatered’s grundsätzlich zu, das strategisch orientierte Anleger einem „goldenes Zeitalter“ bei chinesischen Anleihen beiwohnen könnten. Der chinesische Anleihemarkt ist der Einzige, der aufgrund seines Volumens für institutionelle Anleger interessant ist und außerdem für Investmentgrade1 Anleihen selbst nach den Kosten für die Währungssicherung positive Erträge verspricht.

Screenshot - 01.04.2016 - 07:12:32Die nebenstehende Graphik ist dem Manager-Magazin entnommen. In einem sehr kritischen Beitrag setzt sich Daniel Stelter mit Anlageperspektiven im Zeitalter der sekularen Stagnation auseinander2. Selbst in seinem extremen Szenario können Anleihen aus den Schwellenländern  eine positive Wertentwicklung erzielen. Nur der chinesische Anleihemarkt vermag den Anlagedruck aus den Industrieländern zu befriedigen3. Im für die Weltwirtschaft Worst Case erfahren Anleihen aus Schwellenländer wegen ihrer Alternativlosigkeit Kursgewinne. Im Best Case, falls sich die Prognosen von Stelter nicht einstellen,  erwirtschaften sie positive Kuponrenditen.

Anlagevehikel

Auf der Suche nach einem kosteneffizienten Anlageinstrument sind wir im FAX fündig geworden. Es handelt sich um einen von Aberdeen aufgelegten, „gemanagten“ ETF, der in asiatische Anleihen investiert und eine Kuponrendite von 8 Prozent aufweist. Im Unterschied zu anderen, preisgünstigeren ETF’s schüttet der FAX monatlich eine konstante Prämie aus. Bei Bedarf baut das Fondsmanagement auch Währungsabsicherungen auf. Bei Marktstörungen kann der FAX alle Positionen auflösen und das Kapital in US-Staatsanleihen parken. Eine Übersicht von klassischen, indexabbildenden ETF’s mit Zielregegion Asien findet man z.b. hier.

FAX

Abbildung 2: Preisentwicklung des FAX seit der Emission. (Exklusiv Ausschüttungen)

… ist ein Zwitter. Er wird lebendig an US-Börsen gehandelt, bildet jedoch keinen Index ab. Statt dessen kümmert sich ein Fonds-Manager um das angelegte Vermögen. Er pendelt ständig zwischen Singapore und Sydney hin und her. In der Vergangenheit war der FAX ein Proxy für den australischen Anleihemarkt, der mit hohen Renditen lockte. In den letzten vier Jahren hat sich der ETF deutlich breiter aufgestellt. Die zunehmende Reife der asiatischen Bond-Märkte gestattet auch dem täglich handelbaren Fonds ein Engagement in diesen Marktsegmenten. So ist der FAX inzwischen zu 70 Prozent außerhalb Australiens investiert. China ist neben Australien ein Investitionsschwergewicht, dort sind 15 Prozent des Fondsvermögens angelegt4.

Abbildung 3: Preisentwicklung des FAX nach dem Erwerb. (Exklusiv Ausschüttungen)

Der ETF schüttet 0,035 $ pro Anteil im Monat aus, was sich auf 0,42 $ oder  8% im Jahr aufsummiert. Kurzfristige Preisschwankungen sind den festen Ausschüttungen geschuldet. Reichen die Kuponeinnahmen nicht zur Deckung der Auszahlungsverpflichtungen, sinkt der Anteilswert. Preistrends sind dagegen Währungstrends zuzuordnen. Der Fonds ist zu 50% in Anleihen in lokaler Währung investiert. Die andere Hälfte der Anleihen im Fondsbestand sind in US-Dollar aufgelegt, der Basiswährung des ETF. Eine Abwertung des US-Dollar erhöht den Fonds-Preis; Aufwertungen senken den Depot-Buchwert sofort. Der US-Dollar hat 2013 bis 2015 stark gegenüber den Währungen der Schwellenländer und Australien aufgewertet; entsprechend ist der Anteilspreis eingebrochen.

… nach einem Jahr

Wir nahmen den ETF Anfang April 2016 zum Preis von 4,94 $ ins Depot. 12 Monate später notiert das Papier fast exakt bei unserem Einstandspreis. Inzwischen haben wir 12 Ausschüttungen erhalten, Wie erwartet, ist die Volatilität des Papiers spürbar. Vom Höchstkurs ist der FAX im Jahresverlauf um 10 Prozent zurückgekommen. Angesichts der gebotenen Verzinsung des Kapitals sind sowohl Volatilität als auch Draw-Down vertretbar.

Fazit

Ein Investment in Anleihen aus Asien verspricht positive Erträge, die derzeit wenig mit dem Ertragsprofil von Anleiheinvestitionen in Industrieländern korreliert sind. Eine gute Alpha-Quelle hat ein wenig volatiles Auszahlungsprofil. Mit dem FAX fängt man sich  gleich zwei Fliegen. Zum einen erschließt er die Assetklasse »Anleihen der Schwellenländer«. Zum anderen schüttet er konstante Beträge aus. Die Hälfte des Fondsvermögens ist dem Bewertungsrisiko der lokalen Währungen ausgesetzt. 80% der Anleihen sind Investmentgrade. 40% der gehaltenen Anleihen weist eine Laufzeit von weniger als 5 Jahren auf: der Fonds ist damit mäßig zinssensitiv. Der ETF ist eine gute Ergänzung zur bestehenden Position in High-Yield-Anleihen. Aus europäischer Perspektive muss stets das Währungsrisiko eines Investments in US-Dollar beachtet werden.


  1. Unter dem Label „Investmentgrade“ sind Anleihen  mit einem A (A, AA, AAA) oder BBB-Rating versehen sind. Anleihen mit den übrigen B- und C-Ratings werden als Yunk charakterisiert. 
  2. Daniel Stelter; Willkommen in der Eiszeit; Manager Magazin, März 2016; Cicero April 2016; als Buch im Campus Verlag 
  3. Das Volumen des chinesischen Anleihemarkt entspricht aktuell dem aller Schwellenländer zusammen. 
  4. Die Investitionspolitik des Fonds in China ist hier ausführlich dokumentiert.