Dr. H. Bischoff

Die Betreiber von Atomkraftwerken entledigten sich der Entlagerrisiken für den Atommüll mittels einer Vereinbarung mit der  Bundesregierung.  Das  »Gesetz zur Neuordnung der Verantwortung in der kerntechnischen Entsorgung« stellt die Finanzierung des Atomausstiegs bei Stilllegung, Rückbau und Entsorgung langfristig und verursachergerecht sicher. Kernpunkt der Vereinbarung ist die Einrichtung eines öffentlich-rechtlichen Fonds, den die Kernkraftwerksbetreiber finanzieren. Dieser Fonds deckt die Kosten für die Zwischen- und Endlagerung von Atommüll aus deutschen Kernkraftwerken.

Die Kraftwerksbetreiber zahlten  am 1. Juli 2017 insgesamt 17,4 Milliarden Euro in den Fonds ein, der  als  Stiftung des öffentlichen Rechts betreiben wird. Bis 2022 fließen dem Fonds weitere 6,14 Mrd Euro zu.

Dieses Kapital muss langfristig ausfallsicher und rentabel angelegt werden. Das Fondskonto wird bei der Bundesbank geführt. Cash-Bestände unterliegen derzeit einem Strafzins von -0,4 % p.a.1  Entsprechend hoch ist der Anreiz, das Kapital möglichst rasch am Kapitalmarkt zu platzieren.

Australische Staatsanleihe als ausfallsichere Hochzinsanlage

Am 4. Juli veranstaltete das »Australien Office of Financial Management« eine Auktion über die Emission australischer Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 12 Jahren im Volumen von 800 Millionen Australdollar. Es wurden 41 Gebote abgegeben. Alles deutete auf einen unspektakulären Verlauf der Auktion hin. Australische Staatsanleihen sind gesucht, weil das Land als Alleinstellungsmerkmal ein „AAA“-Rating aufweist und  fast 3 Prozent Zinsen bietet. Die Anleihe war 4,5-fach überzeichnet.

Die Überraschung war groß. als bekannt wurde, dass die gesamte Tranche einem einzigen Bieter zugeteilt wurde. Das ist ungewöhnlich und für Australien einmalig. Der Bieter erhält pro Jahr 2,72 Prozent Zinsen.

Offiziell wurde (natürlich) nicht bekannt gegeben, an wen die Anleihe ausgegeben wurde. Schaut man sich jedoch um, wer aktuell einen massiven Anlagedruck ausgesetzt ist und zusätzlich einen langen Zeithorizont präferiert, landet man rasch beim bundesdeutschen Atomausstiegsfonds. Innerhalb nur weniger Tage gelingt es dem Fondsmanagement, die siebenfache Anlagesumme zinsneutral anzulegen2.

Abbildung 1: Preisentwicklung australischer Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit in den letzten 2 Jahren

Dieses Engagement ist bei einem Blick auf den Preisverlauf australischer Staatsanleihen bemerkenswert, deutet der Chart (Abb. 1) doch einen weiteren Preisverfall an.  Der Kurs notiert in der Nähe des 2-Jahres-Lows.  Erschwerend kommt hinzu, dass der Australdollar in jüngster Vergangenheit gegenüber dem Euro aufgewertet hat (Abb. 2). Die Rahmenumstände für einen aggressiven Aufbau einer strategischen Position sind derzeit nicht gegeben.

Abbildung 2: Entwicklung des Währungspaares EUR/AUD

Solange sich das Management des Atomausstiegsfonds nicht zum Positionsaufbau in Australien bekannt hat, ist die Zuweisung allein durch Indizien belegt und deshalb spekulativ. Die Kommentatoren sind sich jedoch darin einig, dass die Anleihe an eine ausländische Adresse gegangen ist. Der australische Kapitalmarkt ist schlicht viel zu übersichtlich, als dass ein derartiges Engagement unerkannt bliebe. Der strategische Kauf der Staatsanleihe bietet bei genauerem Hinsehen einen Blick in den »Inner Circle» institutioneller Adressen, die sich niemals öffentlich zu ihrer Anlagestrategie äußern.

Konsequenz 1

Der Ausgang der Staatsanleihenauktion zeigt, wie begehrt australische Staatsanleihen weiterhin sind. Institutionelle Adressen gehen von einem Bestand der Niedrigzinsphase in Australien aus. Die australische Notenbank hat den Leitzins auf 1,5 Prozent festgesetzt. Im Zuge der Diskussion um die Auswirkungen der Straffung der Geldpolitik in den USA wird auch eine Kehrtwende der Australischen Notenbank diskutiert. Der Auktionsverlauf zeigt, dass die Diskussion um eine rigidere Geldpolitik in Down Under schlicht Sommertheater sind.

Unsere Depotposition »Aberdeen Asia-Pacific Income Fund« (FAX) hält 30 Prozent des Fondsvolumens in australischen Staatsanleihen. Der jüngste Auktionsverlauf bestätigt die Investitionsentscheidung. Angesichts des unklaren geldpolitischen Kurses der FED im republikanisch geprägten Umfeld ist eine Aufstockung der Position zu diskutieren.

Konsequenz 2

Sobald ein prinzipiell im Zweitmarkt handelbares Asset langfristig in nur einem Depot »schlummert«, ist kein verdecktes Positionsmanagement mehr möglich. Man kann deshalb davon ausgehen, dass der Käufer der Anleihe diese bis zur Fälligkeit zu halten gedenkt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Anlagestrategie in den nächsten 12 Jahren kein Positionsmanagment erforderlich macht, ist mit Blick auf die jüngere Geschichte gering.

Die Handelbarkeit der Anleihe im Zweitmarkt ist ein Indikator für eine strategische Neuorientierung institutioneller Adressen. Sobald die Anleihe handelbar ist, ist das aktuelle Niedrigzinsumfeld definitiv Vergangenheit.


  1. Falls es nicht gelingt, das Kapital am Kapitalmarkt anzulegen, reduziert sich das Fondsvermögen im ersten Jahr um 700 Mio. Euro. 
  2. Der vereinbare Zinssatz ist 6,8 mal höher, als der in Deutschland zu leistende Strafzins. Die Tranche hat ein Volumen von 533 Mio. Euro. Das Investment nimmt den akuten Anlagedruck von einem Anteil in Höhe von 3,7 Mrd. €.