Dr. H. Bischoff

Drei auf den ersten Blick zusammenhanglose Beobachtungen:

  • Nach der Wahl Trump’s fällt der Goldpreis scharf
  • In Indien sinkt der Anteil an „Kopfkissen-Sparguthaben“
  • Die schwedische Notenbank will eKronen einführen

Gold

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Abb. 1: Preisverlauf des Gold-ETF in US-Dollar

Seit 2011 ist der Goldpreis um 40 Prozent gesunken. Im Zuge der Aufwertung des US-Dollars nach der Ankündigung Ben Bernankes, die expansive Geldpolitik zu beenden (Taper Tantrum) gab der Goldpreis um 30 Prozent nach. Im Jahre 2015 brach der Ölpreis ein – Gold verbilligte sich nochmals um 10 Prozent. Erst die Erhöhung der Leitzinsen in den USA (Dez. 2015) belebte den Goldhandel wieder. Nach der Brexit-Entscheidung erklomm das Edelmetall ein Jahreshoch. Seitdem dominieren wieder die Verkäufer. Daran hat auch die Perspektive auf eine Änderung der US-Wirtschaftspolitik unter Trump nichts geändert. Im Gegenteil. Es scheint, als ob vermögende Trump-Unterstützer ihre Goldbestände liquidieren um sie an anderer Stelle gewinnbringender investieren zu können1.

Indien

Zeitgleich mit der US-Präsidentenwahl verkündete der indische Premierminister, dass binnen 18 Stunden (ab Mitternacht) die beiden größten Geldscheine Indiens wertlos sein werden. Damit entzog er mit einem Handstreich der indischen Volkswirtschaft 86% der (Cash-) Liquidität. Die Ausgabe neuer Geldscheine koppelte er an rigide Voraussetzungen. Wegen der geringen Vorlaufzeit waren die Banken nicht auf den Wechsel vorbereitet, entsprechend chaotisch verliefen die ersten Tage. Die Intention der indischen Regierung war es, den informellen Sektor zu vernichten. Unter dem Kopfkissen gehortete Bargeldvermögen waren wertlos, wenn man keinen legalen Zufluß nachweisen könnte.

Nach einer Woche ohne ausreichende Bargeldliquidität haben sich die Inder in den Städten bereits angepasst. Die Verwendung digitaler Zahlungsmittel boomt. Die Menschen bringen ihre Ersparnisse zur Bank. Mangels Geldscheinen können sie (vorerst) nur digital darüber verfügen. Anstatt immer wieder für die knappen Banknoten anzustehen, nutzt man die ausreichend verfügbaren Angebote, mit dem Smartphone zu zahlen.  Diese Rosskur funktioniert, weil sich das traditionelle, auf Bargeld und physische Assets fußende indische Sparsystem bereits in den letzten Jahren grundlegend gewandelt hat. Noch 2014 bestand das Vermögen indischer Privatpersonen zu 68% aus physischen Assets, also Geldscheinen, Gold und anderen Wertgegenständen. 2016 war dieser Anteil bereits auf 58% zurück gegangen.

Da Indien einer der großen Goldnachfrager ist, hat dies mittelfristig einen dämpfenden Effekt auf den Goldpreis.

Schweden

In einem exzellenten Vortrag auf einer Fintech-Tagung beschreibt die schwedische Notenbankpräsidentin den derzeitigen Transformationsprozess in Schweden.

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Geldmengenentwicklung in Schweden. Geldmenge relativ zum BIP, Bargeldmenge

Bereits seit den 1950er Jahren nimmt der Gebrauch von Geldscheinen in Schweden ab – zunächst nur relativ zum Wirtschaftswachstum, seit einigen Jahren aber auch absolut – und mit zunehmender Dynamik. In Schweden führen Bankfilialen heute mehrheitlich keine Kasse mehr – Einzahlungen sind folglich nicht mehr möglich. Auch Läden müssen kein Bargeld mehr annehmen. Die Riksbank stellt lakonisch fest, dass sich ein paralleles virtuelles Geldsystem gebildet hat. Die Bank sieht hierin gesellschaftliche Risiken, ähnlich denen die Kunden der ersten Notenbanken im 17. Jahrhundert ausgesetzt waren.

Zur Erinnerung: Das erste Notenbankgeld überhaupt wurde von der Palmstruchska Banken (Stockholms Banco) ausgegeben. Bereits nach 25 Jahren wurde dieser Versuch abgebrochen, da die Bank mehr Geldscheine ausgegeben hatte, als Edelmetallsicherheiten vorhanden waren und die Bank nach einem Bankrun geschlossen wurde. Die Antwort auf das Vertrauensproblem war die Gründung von Notenbanken, bei denen der Staat selbst als Garantiegeber auftritt.

Üblicherweise achtet eine Notenbank sehr genau darauf, der Volkswirtschaft genügend Liquidität zu Verfügung zu stellen. Hierfür werden die Geldmengen M0, M1, M2, M3 erhoben. In Schweden zeigt sich bei er Geldmenge M0 seit Jahren eine Anomalie. Die Notenbank fragt, ob es opportun ist, diese Entwicklung risikobehaftet dem Kapitalmarkt zu überlassen. Schließlich trägt jeder Nutzer eines digitalen Zahlungswegs ein, den Nutzern früher Geldscheine analoges Ausfallrisiko. Dieses Risiko entfiele, wenn sich eine Notenbank entschlösse, eigenes eMoney herauszugeben.

Die schwedische Notenbank untersucht deshalb, welche Konsequenzen die Einführung einer virtuellen Währung auf die Geldpolitik, auf das Bankensystem und die Rolle von Geld als Zahlungsmittel und Asset hätte.

Fazit

Bereitet die schwedische Riksbank die nächste Evolutionsstufe im Zahlungsverkehr vor? Mit der Verfügbarkeit der »Blockchain«, einer kaum manipulierbaren Technologie für vertrauensbasierte Transaktionen, können Notenbanken prinzipiell virtuelles Geld „eCash“ erzeugen und in den Geldkreislauf einbringen. Die Tatsache, dass in weit entwickelten Volkswirtschaften, der Bedarf an physischem Bargeld bereits seit einem Jahrzehnt schrumpft, wirkt hier als Katalysator. Diese Entwicklung ist nicht auf die Industrieländer beschränkt. Selbst die traditionell auf Bargeldtransaktionen basierende indische Volkswirtschaft verzeichnet seit Jahren einen Trend weg von physischen Assets. Die Goldnachfrage sinkt dort nicht, weil weniger geheiratet wird, sondern weil die Bedeutung eines »Hausschatzes« nachgelassen hat. Deshalb hat die Aktion der Regierung, die beiden größten Geldscheine für ungültig zu erklären, keinen Run auf Gold ausgelöst, sondern die Nachfrage nach modernen digitalen Geldbörsen befeuert. Die Entzauberung von Gold als Archetyp eines physischen Geldersatzes ist in vollem Gang.

Das haben offenbar auch die konservativen Mitstreiter Donald Trumps erkannt. Nachdem ihr Wunschkandidat nun die Geschicke der USA lenken wird, kehren sie dem Pseudogeld den Rücken. Sie bereiten sich auf Investments zum Wohle der US-Volkswirtschaft vor.


  1. Strategisch steht der Goldpreis zusätzlich aus regulatorischen Gründen unter Druck.
    Ab 2018 müssen global agierende Banken Regulierungsvorschriften gemäß dem Basel III-Abkommen genügen. Bisher akzeptierten Banken nicht gefördertes Gold als Sicherheit für Kredite. Das geht zukünftig nur noch eingeschränkt. Das Ergebnis: steigende Finanzierungskosten für Goldproduzenten. Um trotzdem zu akzeptablen Konditionen Kredite zu bekommen, müssen die Produzenten ihre Produktion in stärkerem Maße über den Futuresmarkt vorab veräußern. Dies erzeugt ein Überangebot, welches die Preise nachhaltig drückt.
    Wir erwarten für das Jahr 2018 eine Marketing-Offensive der Vereinigung der Goldproduzenten (London Bullion Market Association, LBMA) zur Stützung des Edelmetallpreises.