Dr. H. Bischoff

Es soll eine Bankenkrise geben in Italien. Der Staat pumpt 12 Mrd. € in den Bankensektor. Abseits der öffentlich zur Schau gestellten Krisenbanken finden wir «Business as usual» und eine interessante Restrukturierungsstory. Der Preis der Mediabanca ist 2016 um 8% gesunken. Höchstwahrscheinlich ist der niedrige Aktienpreis der Tatsache geschuldet, dass die Bank in Italien residiert. 2017 könnte zum Jahr der Erkenntnis werden, in dem die Finanzmärkte bei italienischen Banken die Spreu vom Weizen trennen.
Update: Die Position wurde zum Jahreswechsel 2017/18 wegen politischer Risiken im Zuge der italienischen Parlamentswahlen im März 2018 geschlossen.

Generelle Rahmenbedingungen

Abbildung 1: Ausgesuchte Fundamentaldaten der Mediobanca (Quelle: FT)

«Rising earnings, a chunky payout ratio, low non-performing loans. If only Mediobanca were based in Munich, not Milan», so beginnt Lex, die Kommentar- und Analyseseite der Financial Times ihre Lobschrift[^1.].

Die Autoren beziehen sich auf die in Abb. 1 dargestellten Entwicklungen wichtiger Kennzahlen der Bank. Die dargestellten Zeitreihen der wichtigsten Fundamentaldaten rechtfertigt jedenfalls nicht die von Kapitalmarkt verordnete Sippenhaft. Ein Blick auf den Preisverlauf im Vergleich zur Unicredit (Abb. 2) zeigt zwar eine gewisse Differenzierung. Trotzdem belastete die pauschalierende öffentliche Wahrnehmung die Bewertung der Bank im Jahr 2016.

Abbildung 2: Preisverlauf der Mediobanca im Vergleich zur Unicredit (5 Jahre)

Ausgerechnet nach dem abgelehnten italienischen Verfassungsreferendum startete eine dynamische Preisbewegung, die die Phase niedriger Bewertung für die Aktie abschloß. Im Dezember überwand der Wert im Chart die Marke von 7€. Auch Charttechnisch steht einer Neubewertung des Werts nun nichts mehr entgegen.

Restrukturierung

Die Bank nutzt die schwierigen Rahmenbedingungen für eine beschleunigte Restrukturierung. In der Vergangenheit war die Bank Teil des verwobenen Netzes der italienischen Großunternehmen und damit eher eine Beteiligungsgesellschaft denn eine Bank. Die Bank ist hervorragend vernetzt und expandiert in dem Maße, wie sich die überschuldeten Großbanken aus dem Privatkundengeschäft, dem Investmentbanking und der Vermögensverwaltung zurückziehen.

Dividenden

Wohl als einzige italienische Bank kann sich die Mediobanca eine großzügige Erhöhung der Dividende leisten. Für 2017 ist eine Dividendenrendite von 5% möglich.

Abbau der Beteiligungen

Die größte Beteiligung der Bank steht zur Disposition. Mediobanca will seine Beteiligung an der Generali von derzeit 13 auf 5% reduzieren. Die Rahmenbedingungen sind aktuell deutlich besser, als noch vor 12 Monaten. Die Spekulation auf das Ende der Nullzinspolitik der EZB beflügelt die Ertragsaussichten auch der Generali. Deshalb könnte nach einem Verkauf an einen neuen strategischen Partner ein Geldregen auf die Aktionäre herunterprasseln. In den vergangenen drei Jahren hat die Bank trotz des Krisenumfelds in Italien Beteiligungen im Volumen von 1,5 Mrd.€ veräußert. Das Geld wurde als Dividende ausgeschüttet und für die Restrukturierung verwendet.

mb