Zinsen, Kupons und Dividenden sind gut, Kursschwankungen sind böse. Das ist das heilige Mantra einer konservativen Kapitalanlage. Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass man allein mittels vorhersehbarer Erträge niemals reich wird sondern langfristig allenfalls sein Kapital erhält.

Sparen oder Spekulieren?

Wer als Kind zum Weltspartag Geld zur Bank brachte, zahlte dies auf das Sparbuch ein – und bekam Zinsen. Die Höhe stand fest, man hatte einen Anspruch darauf.

Als Zeichner einer Anleihe ist man Fremdkapitalgeber eines Unternehmens oder Staates und hat Gläubigerrechte. Man erwirbt einen Anspruch auf eine fristgemäße Zahlung von Zinsen und zur Fälligkeit die Rückzahlung der Nominalen. Die erzielte Rendite ist  mit dem eingegangenen Risiko korreliert, in diesem Falle das Risiko des Ausfalls von Zinszahlungen oder gar des Nicht-Rückzahlens des Kredits.

Investments und Ertragsquellen

Vorab bekannte und zwischen Investor und Kapitalnehmer vereinbarte Zahlungen werden als α-Quellen1 bezeichnet. Insbesondere für α-Quellen gilt der Zusammenhang zwischen Know-How und Ertragserwartung. Spekulant ist, wer Risiken eingeht, ohne diese (zum Zeitpunkt des Investments) beurteilen zu können und zufällige Erträge generiert, ein Anleger ist sich der Risiken bewußt und trägt diese Willentlich.

α oder β?

Neben dem Zufluß vereinbarter Zahlungen kann ein Investor regelmäßig darauf hoffen, dass er sein Investment teurer verkaufen kann, dass es also immer wertvoller wird. Die Erwartung von Veräußerungserträgen wird als β-Quelle einer Kapitalanlage bezeichnet.

Erträge aus α-Quellen werden zwischen Investor und Kapitalnutzer ausgehandelt. Erträge aus β-Quellen sind das Ergebnis von Angebot und Nachfrage2.

Optionsprämien

Optionen begleiten die Finanzmärkte mindestens seit Cäsar und Kleopatra über Rom und Alexandria herrschten. Sie sind in Deutschland zu Unrecht als spekulative Instrumente verschrien. In den USA ist ihr systematischer Einsatz in der Altersvorsorge sogar steuerlich begünstigt. Wer eine Option veräußert, erklärt sich bereit, gegen Entgelt ein definiertes Risiko zu tragen. Jemand, der dieses Risiko zu managen vermag, kann so ein Einkommen erzielen. Dieses Einkommen ist wenig mit Trends an den Kapitalmärkten korreliert (es hat eine signifikante α-Komponente) und deshalb eine wertvolle Komponente einer nachhaltigen Kapitalanlage.


  1. Unsere Betrachtung von Alpha und Beta unterscheidet sich von der bei Investmentfonds üblichen. Dort wird α als Fähigkeit des Managements definiert, eine von Markttrends unabhängige Rendite zu erzielen. Wir schauen hingegen auf Investmentvihikel und deren systematisches Ertragspotenzial. Das Ergebnis ist jedoch das Gleiche: Eine Geldanlage, die systematisch α-Quellen nutzt, entwickelt sich unabhängig von Markttrends. 
  2. Das Thema β bzw die moderne Variante „Smart-Beta“ wird im Zeitgeist weiter vertieft, z.b. hier