Dr. H. Bischoff

Chimera: Hybridanleihe oder Aktie?

»Das Bessere ist des Guten ärgster Feind«, sagt der Volksmund. Seit April 2016 ist der Restrukturierungsspezialist Chimera Bestandteil unserer strategischen Assetallocation. Das Unternehmen hat am 27.02.2017 seine zweite Hybridanleihe emittiert, die inzwischen zu einer der liquidesten Anleihen in den USA mutiert ist. Wir stellen uns die Frage, ob ein Wechsel der Assetklasse auch für uns zielführend ist. Die Betrachtungen wurden erstmals im Wochenbericht 17/45 angestellt und sind zum Jahreswechsel 2017/8 aktualisiert. Zum vollständigen Artikel

Dr. H. Bischoff

Auskömmliche Erträge aus festverzinsten Anlagen im Niedrigzinsumfeld

Ein Blick auf den Kurszettel hiesiger Anleihehandelsplattformen zeigt das Dilemma: Will man nur sein Vermögen nach Inflation erhalten, muss man große Risiken eingehen. Eine ertragreiche Geldanlage ist jenseits spekulativer Eigenkapitalengagements kaum möglich.

Der erste Blick täuscht jedoch. Auch im Herbst 2017 kann man mit ausgewählten passiven Anleiheinvestments auskömmliche Erträge erzielen.

Vorsicht bei Anleihen: Ein Verzicht auf Erträge kann das Anlagerisiko erhöhen

Anfang September emittierte die australische Westpac Banking Corp. einen Eurobond mit einer Laufzeit von 5 Jahren1. Die angebotene Verzinsung: 0,375 % pro Jahr. In der ersten Handelswoche wurden über der Börse in Stuttgart immerhin ca. 1 Mio. Euro der Anleihe erworben.  Wer legt sich derartige Anleihen ins Depot?

Ebenfalls in der ersten Septemberwoche veröffentlichte die FT die beigefügte Graphik. Sie zeigt, welche Erträge in welcher Nische des Marktsegments Fixed Income erzielbar sind und welche Risiken (in Gestalt der Volatilität) man eingeht.

Der oben genannte Eurobond weist selbst Vergleich zum Marktsegment „€ Investmentgrade Credit“  eine unterdurchschnittliche Rendite auf. Die Graphik zeigt erstaunliches: Akzeptiert man eine geringe Verzinsung, erhöht sich das Risiko der Anlage: Die Preisschwankungen steigen. Die angesprochene Bankanleihe weist eine um etwa 50 % geringere Verzinsung auf, als der Durchschnitt dieses Marktsegments. Sie trägt damit Eigenschaften deutscher Staatsanleihen (€ German Bonds), die eine negative Rendite und eine um 30% höhere Volatilität aufweisen, als Unternehmensanleihen.

Wer also auf »Nummer Sicher« gehen will und als Alternative zu Tagesgeld eine Anleihe einer »sicheren australischen Bank« erwirbt, geht in etwa das gleiche Risiko ein, wie ein Käufer einer Anleihe von Anglo American, die Mitte September für eine Laufzeit von 8 Jahren einen Zins von zwei Prozent pro Jahr bietet. Anglo American ist jedoch ein bedeutend schlecherer Schulder (Rating BBB), als die Westpac (Rating: AA) .

Systematische Nutzung von Preisannormalien

Wo es Schatten hat, gibt es naturgemäß auch Plätze an der Sonne – ansprechend verzinste Produkte, denen niedrige, kalkulierbare Risiken innewohnen.

Die Graphik Yield and Volatility liefert hierfür wertvolle Startinformationen.

  • USD- denominierte Unternehmensanleihen (Investmentgrade) aus den USA und Asien unterscheiden sich nicht in der erzielbaren Rendite. Asiatische Anleihen schwanken jedoch während der Laufzeit signifikant weniger und sind deshalb weniger Risikobehaftet.
  • Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern (USD denominiert) schwanken nur unwesentlich stärker, als Anleihen von US-Unternehmen. Sie werfen jedoch um 30 Prozent höhere Erträge ab.
  • Anleihen aus dem Euroraum sind durch die Bank unattraktiv. Der Renditeunterschied zwischen „€-high-yield“ und „$-high yield“ ist signifikant. Niedrig verzinste, spekulative €-Anleihen  weisen zudem ein deutlich höheres Risiko auf. Wer also beispielsweise auf ein Angebot der Homan Holzwerkstoffe eingegangen ist und die Anleihe mit einer Verzinsung von 7 Prozent gezeichnet hat, hat sich trotz des vermeintlich attraktiven Zinssatzes – gelinde formuliert – subopitmal verhalten. ( → Notiz der Börse Frankfurt )
  • Anstatt spekulative €-Unternehmensanleihen erwirbt ein »smarter Investor« in US-Dollar denominierte Staatsanleihen von Schwellenländern: Gleiches Risiko, Rendite erhöht sich von 3 auf 5 Prozent.

Aufgabe: Management von Währungsrisiken

Am Kapitalmarkt gibt es keine Erträge zum Nulltarif. Falls man auf festverzinste Anlagen aus dem Dollarraum ausweicht, erwirbt man sich naturgemäß Währungsrisiken. Das limitiert die Umsetzung einer entsprechenden Handelsstrategie auf einem Retailkonto bei einer deutschen Bank.

Da Währungstrends meist langfristiger Natur sind (siehe beispielsweise den Beitrag → zur Abwertung des US-Dollar unter Trump), ist das Management dieser Risiken auf einem Multi-Currency-Account beispielsweise bei Interactive Brokers mit vertretbarem Aufwand leistbar.

Optimale Assetallocation

Die oben beigefügte Zusammenstellung langfristiger Risiken in Gestalt der historischen Volatilität und gegenwärtig erzielbarer Renditen in den verschiedenen Marktsegmenten zeigt die Vorteilhaftigkeit unserer Depotzusammensetzung.

  • Die Wahl passiver ETF’s ermöglicht eine ausreichende Diversifikation im jeweiligen Marktsegment
  • Der Aberdeen Asia Pacific Income Fund bündet Investitionen in den Segmenten „EM local Currency“, „EM-Corporates $“, „Asian $ Investmentgrade Credit“
  • Der High Yield Bond ETF bietet einen sehr breit diversifizierten Zugang zum US-High-Yield Bonds Markt.

Wir nehmen eine $-Rendite von 6 – 7 Prozent pro Jahr ein. Diese wird mit einer signifikant niedrigeren Volatilität (= Risiko) erzielt, als ein vergleichbares Aktienengagement. Wir stellen durch das Währungsmanagement sicher, dass große Fluktuationen die Erträge in unserer Abrechnungswährung (Euro)  nicht beeinträchtigen.

 

 


  1. Notierung an den Börsen Frankfurt und Stuttgart, WKN: A19NMU 
Dr. H. Bischoff

Was tun, wenn Anleihen keine Zinsen abwerfen?

Nach dem Abklingen der Turbulenzen im Januar und Februar streben viele Unternehmen an den Anleihemarkt. Selbst defizitären Unternehmen  gelingt es, große Beträge zu Super-Konditionen einzuwerben. Das ist gut für die Unternehmen. Ist der Anleihemarkt tatsächlich alternativlos, wenn man die Volatilität der Aktienmärkte fürchtet?

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