Dr. H. Bischoff

Donald Trump hat im Wahlkampf absurde Positionen bezogen, Fakten ignoriert, sich selbst widersprochen und seine Gegner ohne Skrupel aus dem Weg geräumt. Er hat so offensichtlich eine Camouflage seiner Selbst inszeniert, dass niemand seine Äußerungen Ernst nahm. Gewählt wurde er trotzdem.

bildschirmfoto_2016-11-12_06-41-39Nach dem Wahlsieg steht er deshalb quasi mit „weißer Weste“ da und kann sich aussuchen, welche Positionen er beziehen möchte.

Für die spekulativen Kräfte an den Finanzmärkten ist das die Beste aller Ausgangslagen. Man kann alles in eine Präsidentschaft Trump hinein interpretieren. Für fast jede Position findet man belastbare Aussagen. Der Wahlsieger hält sich derweil mit schnellen Positionsfestlegungen zurück und überlasst den Markt dem freien Spiel der Kräfte.

Anstatt sich in Spekulationen über die mögliche Auskleidung des Wirtschaftsprogramms unter Trump (Trumponomics) zu ergießen, übertragen wir die Machtstrukturen moderner populistischer Herrscher auf die USA. Eine der ersten „Amtshandlungen“ von Trump waren Einladungen an Shinzo Abe und Theresa May. Die Staatsführer eint die Vision einer wettbewerbsfähigen, kapitalistischen Nation. Unterstellen wir eine gewisse Lernfähigkeit, dann ist wahrscheinlich, dass die USA Elemente der nationalistischen Politik der dritt- und fünftgrößten Wirtschaftsmacht übernehmen wird.

Daraus ergeben sich einige Eckpfeiler der Trumponomics

  • Notenbankpolitik gerät unter massiven politischen Druck
  • Massives Haushaltsdefizit wird billigend in Kauf genommen
  • Politische Festlegung des Marktzinses über alle Laufzeiten
  • Monetäre Interventionen am Anleihe- und Aktienmarkt
  • Staatliche Investitionen als Lenkungselement

Den größten Effekt des Machtwechsels in den USA erwarten wir deshalb am Währungsmarkt.

Nach der Machtübernahme von Shinzo Abe im Jahre 2012 und der Ausformulierung der Abenomics wertete der Yen massiv ab. Das Gleiche passierte in Großbritannien unter Theresa May.

Schlägt man derzeit die Wirtschaftspresse auf, dann erwartet eine deutliche Mehrheit eine US-Politik des starken Dollars. Um die Wettbewerbsfähigkeit der US-Unternehmen zu schützen sollen in dem Konsenszenario Schutzzölle erhoben werden.

Das ist für uns nur schwer nachvollziehbar. Falls die Staatsausgaben einseitig stark steigen, ziehen normalerweise die Zinsen an. Damit ist der US-Dollar automatisch eine attraktive Anlagewährung. Dies würde nur ausländischen Adressen nützen, weil in den USA gleichzeitig die Inflation anzieht. Das ist nicht in Trump’s Sinne.

Wenn man demgegenüber die Staatsausgaben ausweitet ohne eine Zinserhöhung zuzulassen (wie in England und Japan vorexerziert), schwächt man die eigene Währung. Dann kann man sehr preiswert produzieren. Da die USA inzwischen Energieautark ist und kaum auf Rohstoffimporte angewiesen ist, ist ein Import von Inflation kaum möglich.

Die USA könnte die Welt mit preiswerten Gütern überschwemmen. Im Ergebnis wäre „America great again“ und „the World payed for them“.

Fazit

Donald Trump dient derzeit als Projektionsfläche für alle denkbaren ökonomischen Perspektiven. Es ist wahrscheinlich, dass in den USA ähnliche Prozesse ablaufen, wie in Japan und Großbritannien. Diese Politik würde sich primär auf den Währungsmarkt auswirken. Kritisch hierfür ist die politische Kontrolle der FED. Die Statements von Frau Yellen werden wir in den nächsten Monaten genau studieren.