Dr. H. Bischoff

Anleihen sind als Renditequelle in einem Vermögensbildungs- oder Altersvorsorgedepot unverzichtbar. Seit 2008 haben die Notenbanken der Industriestaaten die Renditen für Anleihen künstlich niedrig gehalten. Die Anleiheaufkaufprogramme laufen jetzt auch in Europa und Japan aus. Ganz anders in Asien. Außerhalb von Japan sind die Zinsen nach 2008 kaum gesunken. Entsprechend gering sind voraussichtlich die Auswirkungen der restriktiveren Geldpolitik von FED, EZB & Co. auf den Anleihemarkt. Mit Anleihen aus Asien gelingt es, auch in Zeiten steigender Marktzinsen attraktive Kuponerträge zu erzielen.

Auch wenn es der amerikanische Präsident nicht gern sieht: In den USA steigen die Zinssätze kontinuierlich, es wird immer teurer, einen Kredit aufzunehmen. Für Anleiheinvestoren ist das eine schlechte Nachricht, schließlich gehen steigende Marktrenditen mit sinkenden Notierungen für Anleihen einher.

Screenshot - 01.04.2016 - 07:12:32Die nebenstehende Graphik ist dem Manager-Magazin entnommen. In einem sehr kritischen Beitrag setzt sich Daniel Stelter mit Anlageperspektiven im Zeitalter der sekularen Stagnation auseinander1. Selbst in seinem extremen Szenario können Anleihen aus den Schwellenländern  eine positive Wertentwicklung erzielen.

Man muss diessen drastischen Prognosen nicht teilen. Wir nehmen aber eine zentrale Botschaft mit: Anleihen und Aktien aus den Industrieländern mögen sicher erscheinen und solche aus Schwellenländern risikobehaftet. Wenn überhaupt, dann lohnt es sich langfristig, risikobhaftete Investitionen in den Schwellenländern zu tätigen.

Anlagevehikel

Auf der Suche nach einem kosteneffizienten Anlageinstrument sind wir im FAX fündig geworden. Es handelt sich um einen von Aberdeen aufgelegten, “gemanagten” ETF, der in asiatische Anleihen investiert und eine Kuponrendite von 8 Prozent aufweist. Im Unterschied zu anderen, preisgünstigeren ETF’s schüttet der FAX monatlich eine konstante Prämie aus. Bei Bedarf baut das Fondsmanagement auch Währungsabsicherungen auf. Bei Marktstörungen kann der FAX alle Positionen auflösen und das Kapital in US-Staatsanleihen parken. Eine Übersicht von klassischen, indexabbildenden ETF’s mit Zielregegion Asien findet man z.b. hier.

FAX

Abbildung 2: Preisentwicklung des Asia Pacific Bonds Fund seit der Auflage exklusive Auisschüttungen.

… ist ein Zwitter. Er wird lebendig an US-Börsen gehandelt, bildet jedoch keinen Index ab. Statt dessen kümmert sich ein Fonds-Manager um das angelegte Vermögen. Er pendelt ständig zwischen Singapore und Sydney hin und her. In der Vergangenheit war der FAX ein Proxy für den australischen Anleihemarkt, der mit hohen Renditen lockte. In den letzten vier Jahren hat sich der ETF deutlich breiter aufgestellt. Die zunehmende Reife der asiatischen Bond-Märkte gestattet auch dem täglich handelbaren Fonds ein Engagement in diesen Marktsegmenten. So ist der FAX inzwischen zu 70 Prozent außerhalb Australiens investiert und die Korrelation entsprechend gesunken. Dies ist in Abb. 3 deutlich sichtbar. China ist neben Australien ein Investitionsschwergewicht, dort sind 15 Prozent des Fondsvermögens angelegt3.

Abbildung 3: Preisentwicklung des FAX seit 2013 und Entwicklung des Währungspaares AUS/USD

Die Abhängigkeit vom chinesischen Anleihemarkt ist die Hauptursache für den Preisverfall im Jahre 2018. Im Zuge der Eskalation des  Handelsstreits zwischen den USA und China steigen die Markrenditen; Anleihepreise sinken.

Der ETF schüttet 0,035 $ pro Anteil im Monat aus, was sich auf 0,42 $ oder  – je nach Einstandspreis –  8 – 10 % im Jahr aufsummiert. Kurzfristige Preisschwankungen sind den festen Ausschüttungen geschuldet. Reichen die Kuponeinnahmen nicht zur Deckung der Auszahlungsverpflichtungen, sinkt der Anteilswert.

… nach vier Jahren

Wir nahmen den ETF Anfang April 2016 zum Preis von 4,94 $ ins Depot (Rendite: ca. 8\,\% pa). Der Anteilspreis schwankt seither zwischen 4 und 6 $. Bis Oktober 2018 konnten wir 30 Ausschüttungen einnehmen (1,05 $).  Unser Einstandspreis hat sich also auf 3,9 $ verringert. Trotz der jüngsten Abschläge beim Anteilspreis (und einer Notierung nahe den historischen Tiefständen) weist das Investment eine positive Gesamtrendite aus.

Fazit

Ein Investment in Anleihen aus Asien verspricht langfristig positive Erträge, die wenig mit dem Ertragsprofil von Anleiheinvestitionen in Industrieländern korreliert sind. Eine gute Alpha-Quelle hat ein wenig volatiles Auszahlungsprofil. Mit dem FAX fängt man sich  gleich zwei Fliegen. Zum einen erschließt er die Assetklasse »Anleihen der Schwellenländer«. Zum anderen schüttet er konstante Beträge aus. Die Hälfte des Fondsvermögens ist dem Bewertungsrisiko der lokalen Währungen ausgesetzt. 80% der Anleihen sind Investmentgrade. 40% der gehaltenen Anleihen weist eine Laufzeit von weniger als 5 Jahren auf: der Fonds ist damit mäßig zinssensitiv. Aus europäischer Perspektive muss stets das Währungsrisiko eines Investments in US-Dollar beachtet werden.


  1. Daniel Stelter; Willkommen in der Eiszeit; Manager Magazin, März 2016; Cicero April 2016; als Buch im Campus Verlag 
  2. Das Volumen des chinesischen Anleihemarkt entspricht aktuell dem aller Schwellenländer zusammen. 
  3. Die Investitionspolitik des Fonds in China ist hier ausführlich dokumentiert.