Dr. H. Bischoff

Im zweiten Teil unserer China-Trilogie richten wir unseren Blick auf die den Anleihemarkt. Die bisher abgeschotteten Kreditmärkte öffnen sich zaghaft. Exportiert das Reich der Mitte damit unkalkulierbare Risiken oder bieten sich mutigen Investoren interessante, wenig korrelierte Renditequellen?

Anleihen der Industriestaaten liefern keine positiven Erträge

Zwei Drittel aller in Euro oder US-Dollar ausgegebenen Staatsanleihen bieten Renditen von weniger als zwei Prozent. In Japan und Europa sind negative Renditen eher die Regel, denn die Ausnahme. Nach der Ausweitung der TLTRO-Tender durch die EZB können selbst Unternehmen zum Nulltarif Geld am Kapitalmarkt einsammeln1. Das EZB-Programm läuft noch bis 2017. Bis dahin ist keine Änderung der Kreditkonditionen zu erwarten.

In den USA hat die FED dagegen die Zinswende vollzogen. Die Renditen für Anleihen mit hoher Bonität (“investmentgrade”) steigen bereits. Ein Investor wettet mit dem Kauf einer Anleihe darauf, dass die FED die Zinsen langsamer anhebt, als kommuniziert. Bereits die Wortwahl zeigt, dass der Kauf einer Anleihe (bzw. die Einräumung einer Kredits mit überschaubaren Risiken) auf absehbare Zeit2 keine Renditequelle darstellt.

China ist groß und renditestark

Die größten Anleihemärkte der Welt sind die USA mit einem Volumen von ca. 35 Trillionen US-Dollar, Europa mit etwa 20 T$ und Japan mit 11 T$. Bereits auf Platz vier folgt China mit einem Gesamtvolumen von 7,4 T$ (48 T CHY). Der chinesische Anleihemarkt allein weist damit ungefähr das gleiche Volumen auf, wie alle Schwellenländer zusammen (Quelle: Standard Chartered).  98% der Anleihen werden von Chinesen selbst gehalten. Ein direkter Renditevergleich mit Anleihen, die entweder in den USA selbst emittiert wurden oder in US-Dollar nominiert sind, ist wenig zielführend, weil die Risiken der Geldanlage unterschiedlicher nicht sein könnten.

  • Die Kommunikation mit den Gäubigern erfolgt in der Regel in chinesisch.
  • Die Anleihebedingungen selbst sind in chinesisch verfasst. Sie entsprechen nicht internationalen Standards.
  • Man muss seine Gläubigerrechte ggf. vor einem chinesischen Gericht durchsetzen.
  • Die in lokaler Währung ausgegebenen Anleihen unterliegen dem Währungsrisiko. Der Kurs des CHY folgt politischen und nicht ökonomischen Grundsätzen.
  • Es ist unklar, zu welchem Umtauschkurs (onshore: Kurs der PBoC, offshore: Börsenkurs in Hongkong) das Kapital nach der Fälligkeit der Anleihe in Euro oder US-Dollar getauscht werden kann.
    Weiterhin kann die PBoC stets Kapitalverkehrskontrollen einführen, wenn man den Eindruck gewinnt, dass ausländische Investoren im großen Umfang Anleihepositionen auflösen.

Globalisierung als Teil der Gesamtstrategie

Die chinesische Führung versucht das Land behutsam und kontrolliert in die internationale Staatengemeinschaft einzugliedern. Wegen der Größe und Bedeutung des Landes besteht man darauf, dass die ausländischen Investoren die vorgegebenen Regeln akzeptieren, die nicht internationalen Standards genügen. Nachdem man im Frühjahr 2015 den Aktienmarkt für einen ausgesuchten Kreis ausländischer Anleger geöffnet hat und über diverse SWAP-Abkommen den Yuan so frei konvertierbar gemacht hat, dass der Yuan eine offizielle Reservewährung des IMF geworden ist, wurden unlängst auch die Anleihemärkte komplett geöffnet.

Die FT3 notiert ganz erstaunt, dass sich selbst institutionelle Investoren für den Zugang zum chinesischen Anleihemarkt interessieren, die sehr bärisch gegenüber den Entwicklungen in China eingestellt sind. Der Grund hierfür sind natürlich die Renditen, verbunden mit der Hoffnung auf eine instrumentalisierte Stützung des Marktsegments durch staatliche Institutionen. Wenn die Regierung selbst den spekulativen und volkswirtschaftlich bedeutungslosen Aktienmarkt bei Marktverwerfungen massiv stützt, sollte sie im Falle einer volkswirtschaftlich sehr wohl relevanten Anleihenkrise massiv einschreiten. Da etwa 70 Prozent des chinesischen Anleihesegments entweder Staats- und Kommunalanleihen oder investmentgrade vergleichbare Anleihen ausmachen, verheißt der Markt Anleiheexperten ein »goldenes Zeitalter«.

Ausländischer Investoren werden den chinesischen Anleihemarkts trotzdem nicht in Heerscharen heimsuchen. Man muss die nötige Expertise für diesen Markt zunächst einmal aufbauen. Standard Chartered schätzt, dass 2030 erst 4 – 7 Prozent des chinesischen Anleihevolumens in den Händen ausländischer Investoren sein wird. Angesichts des bevorstehenden Anlagenotstands im Fixed-Income-Bereich würde uns eine deutlich stärkere Penetration des chinesischen Anleihemarktes durch ETF’s und andere Fonds nicht überraschen.

Anstatt eines Fazits verweisen wir auf den  Tagebucheintrag zum Thema asiatische Anleihen.


  1. FAZ: 31.3.2016, S: 25: Sanofi Aventis emittierte am 30.03. erfolgreich eine Anleihe im Volumen von 500 Mio. Euro und drei Jahren Laufzeit mit einem Kupon von Null Prozent. 
  2. Investmentgrade Anleihen aus Industriestaaten sind frühestens ein Kauf, wenn die Inflationsraten im Zielkorridor der Notenbanken angekommen sind. Dann ist ein Überschießen der Inflation sehr wahrscheinlich. 
  3. FT, 10.3.2016: China’s bond market prepares to go global