Dr. H. Bischoff

Jardine Matheson profitierte im 18. Jahrhundert von den Optiumkriegen ( → Basiswertinfo). Nach der kapitalistischen Neuerfindung Chinas prosperiert das Unternehmen wieder. Es vertreibt Daimler-Fahrzeuge in China, wartet Schindler Aufzüge in Hongkong und betreibt Ikea-Möbelhäuser in Südostasien. Immer wichtiger wird die Beteiligung an der Astra aus Indonesien. Jardine Matheson ist an der Börse in Singapore gelistet und hat dort nach der DBS-Bank die zweitgrößte Marktkapitalisierung.

Im Februar 2012 investierten wir erstmals in das asiatische Konglomerat mit mehr als 140.000 Mitarbeitern. 2015 sorgten die US-Zinspolitik, die Unsicherheit über die ökonomische Zukunft Chinas sowie der scharfe Rohstoffpreisverfall für einen deutlichen Preisverfall. Im Februar 2016 sind die Jardines zurück auf der Erfolgsspur – und wir wieder “an Bord”. Maßgeblich auch, weil sich die Beteiligungsgesellschaft weitgehend unbeobachtet krakenhaft in Südostasien ausbreitet.

Das Unternehmen wird im Ranking der Fortune 500  auf Platz 283 geführt. Man ist in guter Gesellschaft: Heinecken, Salesforce, Credit Suisse und Danone folgen in dem Ranking. Etwas unterscheidet die Jardines von seinen Konkurrenten: Das Unternehmen meidet aus Prinzip die Medienöffentlichkeit. Es gibt Halbjahresberichte und sehr selten Presseartikel.

Führungszirkel

Das Unternehmen ist im Grunde ein Familienunternehmen geblieben. Lord Leach gehört dem engsten Führungszirkel von Jardine Matheson an. Gleichzeitig leitet der den konservativen, neoliberalen ThinkTank “Open Europe”, der Pro-Brexit war und eine Prosperität Großbritanniens als Global Player propagiert.  Ben Keswick, der jüngste Spross der Keswick-Familie und Aspirant auf den Stuhl des Taipans,  ist ein Alumni der MBA-Kaderschmide Insead, die im MBA-Rating der FT die Pole-Position inne hat. Insead bildet global vernetzten Management-Nachwuchs aus und nimmt für sich in Anspruch, seit 1999 mehr Absolventen in Top-Positionen gehievt zu haben, als jede andere MBA-Uni.

In der Literatur ist die Geschichte der Jardines vielfach beschrieben. In den 1980ern wurde sogar eine Mini-Serie im Fernsehen gezeigt: The Nobel House, Hauptdarsteller ist der spätere   James-Bond-Darsteller  Pierce Brosnan.

Aktienpreisentwicklung

Abbildung 1: Preisentwicklung der Jardine Matheson seit 2008. Zum Vergleich: S&P 500 und Hang Senk

Das Unternehmen profitiert von der Automobilisierung Asiens. Seit 2007 ist der Aktienpreis um 150 Prozent gestiegen. Seit 2013 stagnieren die Bewertungen jedoch. Im Frühsommer 2017 touchiert der Aktienkurs erneut die Preismaxima der Jahre 2013 und 2014. Im Sommer 2018 erklomm die Aktie ein neues Allzeithoch. Seit dem bisherigen Allzeithoch im Jahre 2013 ist die Aktie fundamental immer preiswerter geworden. Aktuell wird sie bei einer Dividendenrendite von 2,4% p.a. mit einem KGV von 6,6 bewertet. Dies ist nicht nur dem Konglomeratsabschlag geschuldet. Auch die börsennotierten Einzelunternehmen sind sehr moderat bewertet.

Auf Indexebene vollzog sich eine diametral andere Entwicklung. Die Dividendenrendite sinkt während das KGV stark steigt (z.B. S&P 500: KGV: 24,5, Dividendenrendite: 1,8 %) . Bei einem Indexinvestment ist das Chance-Risiko-Verhältnis im Sommer 2018 so schlecht, wie zuletzt 1999, im Einzelinvestment Jardine Matheson ist es genau anders herum.

Indonesien stärkt nationale Infrastruktur

Unternehmerische Schwerpunkte der Jardine-Gesellschaften sind China und Indonesien. Zum Jahreswechsel 2016/17 verkündete die indonesische Regierung eine umfassende Steueramnestie für nicht deklarierte Auslandsvermögen1. Vermögende Bürger werden aufgefordert, ihr Geld im Inland anzulegen. Der Staat verzichtet im Gegenzug auf die Versteuerung angesammelter Erträge. Damit adressiert die Regierung geschickt den aktuellen Zeitgeist «Patriotismus». Offenbar mit Erfolg: Im Zuge der Steueramnestie repatreierte das Land über eine Milliarde US-Dollar (130 Billionen Indonesischer Rupiah), die prinzipiell für private Investition in Infrastruktur oder den Ausbau lokaler kapitalistischer Strukturen zur Verfügung stehen.
Gelänge es der Regierung, wie geplant zukünftig 5-7% des BIP in den Aufbau der Infrastruktur zu investieren (anstatt 3%, wie in den letzten 10 Jahren), könnte sich ein selbsttragender Binnenmarkt entwickeln. Von dieser Entwicklung würde Astra unmittelbar profitieren, die ein Kerninvestment von Jardine Matheson ist.

Immobilien als Bremsschuh

Im Bestand der Jardine Matheson befindet sich der ebenfalls börsengelistete Immobilienentwickler Hong Kong Land. Dessen Kerngeschäft ist der Immobilienmarkt in Hong Kong. Nach den dramatischen Preissteigerungen der vergangenen Jahre versucht die Regierung die Preisblase kontrolliert zu entladen.  Im Rahmen des Halbjahresberichts bereitete das Unternehmen die Anteilseigner auf ein schwächeres Jahresergebnis vor.

Goldgrube Luxushotels

Abbildung 2: Preisentwicklung der Jardine Matheson Beteiligung Mandarin Oriental seit 2012

Im Sommer 2017 verkündete Mandarin Oriental, die Luxushotelkette der Jardines, man prüfe »strategische Optionen« bezüglich des Excelsior Hotel in Hong Kong. Man erwog die Veräußerung des Gebäudes an einen REIT. Daraufhin explodierte der Marktpreis für die ebenfalls in Singapore gelistete Hotelkette (Kürzel: M04) förmlich. Der Verkauf kam nicht zustande, weil dem Management die gebotene Summe zu gering erschien.

Dies hat der Bewertung der Mandarin Oriental nicht geschadet – im Gegenteil. Der Aktienpreis stabilisierte sich auf dem deutlich höherem Niveau. Hiervon profitiert auch die Notierung der Jardine Matheson.

Fazit

Das Geschäftsmodell der Jardines ist zu einem Großteil als post-kolonial zu bezeichnen. Das Unternehmen vertreibt Güter der Industriestaaten in den Schwellenländern Südostasiens. Daneben ist es im Luxus-Segment und mit zunehmenden Erfolg auch mit lokalen Eigenmarken unterwegs. Hierzu zählt auch das Engagement in der indonesischen Astra. Dessen Abhängigkeit von Rohstoffpreisen war eine Ursache für die der Underperformance der vergangenen Jahre. Mit dem Rückzug der USA aus dem globalen Markt sind die Schwellenländer gezwungen, ihre Exportabhängigkeit zugunsten eines lokalen Wirtschaftsmodell umzubauen. Hierfür sind Jardines ideal positioniert. Ein Engagement in der Aktie bietet eine Partizipation an der ökonomischen Genese Südostasiens.

Das PDF dokumentiert den Basiswert (Stand: Frühjahr 2016).

jardines

  1. Financial Times vom 26.12.2016:  How India and Indonesia are chasing tax revenue