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Die Kombination aus einem spekulativen Aktienengagement und einer risikoaversen Versicherungsoption ermöglicht die Einnahme attraktiver Renditen. Stillhaltergeschäfte kanalisieren den Kauf- und Verkaufsprozess und ermöglichen eine Partizipation an Preissteigerungen und Dividendenzahlungen. Man ist gezwungen, strategisch zu handeln. Das  verändert den Blick auf Märkte und Unternehmen. Stillhaltergeschäfte – intelligent ausgeführt und in eine stringente Handelsstrategie eingebunden – ermöglichen zweistellige Jahresrenditen.

Ein klassisches Investment folgt meist folgendem Schema:

  1. der Investor identifiziert ein aussichtsreiches Investment,
    z. B. eine Aktie eines Unternehmens, von dem er annimmt, dass es in Zukunft gute Gewinne machen wird.
  2. der Investor erwirbt die Aktie.
  3. der Investor wartet.
  4. nach einer gewissen Zeit schaut der Investor, ob sich die Investition so entwickelt, wie erwartet. Falls nicht, veräußert er das Investment.

Diese Vorgehensweise hat gravierende Nachteile. Zum einen wird quasi nie ein guter Verkaufserlös erzielt, schließlich wartet der Investor ja auf eine Enttäuschung, an die er seine Verkaufsentscheidung knüpft. Zum anderen ist das Timing des Kauf- und Verkaufszeitpunkts ein Engpass dieses Prozesses.

Mit Stillhaltergeschäften brechen wir radikal mit diesem Ansatz.

  • Anstatt eine Aktie bedingungslos zu kaufen, weil sie preiswert erscheint, machen wir
    anderen Investoren ein an Bedingungen geknüpftes Kaufangebot.
  • Anstatt die Aktie irgendwann einfach zu verkaufen, unterbreiten wir anderen Investoren
    ein Verkaufsangebot, welches natürlich auch wieder an Bedingungen geknüpft ist.
  • Scheinbar sind diese Bedingungen für die Gegenseite sehr vorteilhaft. In der Praxis kann man
    mit dieser Strategie vielleicht genau deshalb stabile Rendite erzielen.

Beispiel QBE

Die QBE ist eine australische Versicherung. Nach dem Brexit-Votum fiel uns der Wert auf, weil er ein Engagement abseits der geopolitischen Hauptspannungszonen versprach. Der kurzfristige Trend war aufwärts gerichtet und wir waren bereit, die Aktie zu etwa 10 A$ zu erwerben. Es bot sich der Verkauf einer Put-Option an. Für das Recht, uns die Aktie zu 10.50 A$ zu verkaufen, verlangten wir vorab vom Aktienbesitzer eine Prämie von 60 ct. Eine entsprechende Order wurde Anfang August 2016 aufgegeben.  In Sydney wurde die Aktie zu etwa 11 A$ gehandelt.

Am 17. August präsentierte das Unternehmen Quartalszahlen, die enttäuschten. Der Aktienpreis verbilligte sich auf 9,80 A$. Die Option fand einen Käufer, schließlich lohnte es sich plötzlich, unser Angebot zu akzeptieren. In den Folgetagen erholte sich der Aktienkurs auf 10 A$; am 29. August wurde uns die Aktie zum vereinbarten Kaufpreis ins Depot eingebucht.

Bis zur US-Wahl wurde die Aktie zwischenzeitlich nochmals deutlich preiswerter: In der Spitze handelte die QBE bei 9,25 A$. Nach der US-Wahl erholte sich der Wert im Gleichklang mit anderen Versicherungstiteln.

Zum Jahreswechsel notierten wir: “Nach fünf Monaten hat sich eine Rendite von 22 Prozent angesammelt. Es ist unwahrscheinlich, dass der Preistrend in dieser Art fortgeführt wird. Wir fangen jetzt an, Verkaufsangebote zu offerieren.”

Abbildung 1: Stillhalterprozess am Beispiel der QBE

Am 24. Januar platzierten wir eine Verkaufsorder für eine Call-Option mit einem Ausführungspreis von 12,50 A$ und einer Gültigkeit bis März1. Am 29. Januar veröffentlichte das Handelsblatt einen Beitrag in dem über Fusionsverhandlungen zwischen der Allianz und der QBE berichtet wurde. Es wurde ein Übernahmepreis von 15 A$ pro Aktie lanciert. Daraufhin sprang die Aktiennotierung kurzzeitig über 13 A$ (siehe beigefügte Basiswert-Dokumentation) – unsere Verkaufsorder traf auf willige Spekulanten.

Die Aktie wurde planmäßig am 30. März 2017 zu 12,50 A$ ausgebucht. Wir erzielten auf unser Engagement einen Ertrag von 28 Prozent ( Abb. 1). In der Spitze mussten wir einen Buchwertverlust von 7 Prozent verkraften.

Das  QBE-Engagement schließen wir vorerst. Die Strategie wird mit der Brambles fortgesetzt, die derzeit ähnliche Preisperspektiven bietet,wie die QBE im Herbst 2016.


Anhang
qbe

 


  1. Die Laufzeit von Optionen an der ASX unterscheidet sich von der in Europa und den USA. Aktienoptionen verfallen jeweils am Donnerstag vor dem Monatswechsel. (Anstatt dem 3. Freitag eines jeden Monats in Europa/USA)