Dr. H. Bischoff

Es gibt Dinge, die kann man so nicht stehen lassen. Der Werbeprospekt für den Ökoworld Rock ‘N’ Roll Fonds gehört dazu. Dieser wird derzeit als Zeitschriftenbeilage großflächig verteilt und über Anlageberater vertrieben.

Die Idee ist toll: Oma + Opa legen Kapital gewinnbringend und mit gutem Gewissen für die Enkel an. Die Fondsgesellschaft »Ökoworld« gehört zu den Pionieren der nachhaltigen Geldanlage. Was kann also schief gehen?

 

Abb. 1: Titelbild des Werbeprospekts

Nebenstehend das Titelbild. Unser eindeutig wissbegieriger  Enkel bei der »Arbeit«. Er übt schonmal auf Opa’s Schreibmachine. Da werden doch bei jedem positive Erinnerungen wach. Wie war das damals – am Küchentisch, als wir selbst das erste Mal auf die Tasten eindroschen?

Nun – gegen die Aufmachung ist nichts einzuwenden. Der Mediengestalter versteht was von seinem Handwerk. Das wird auch auf den folgenden Seiten deutlich.

Die Rückseite

Abb. 2: Rückseite des Werbeprospekts

Nach der Vorderseite schauen die Meisten zuerst auf die Rückseite.

Ins Auge sticht sofort die Angabe der Rendite: Sagenhafte 37,73%.  Unsere Zielperson fragt sich gleich: »Warum haben wir den Fonds nicht seit der Emission im Depot anstatt das Geld quasi unverzinst rumliegen zu lassen?«

Was dort nicht steht: Der Fonds wurde 2008 aufgelegt1. Die erzielte Rendite ist  geringer, als ein solides Anleiheinvestment. Unser Kerninvestment FAX  schüttet sogar das Doppelte aus.

Nächster Eye-Catcher: Für die letzten 12 Monate wurde ein Ertrag von 13,65% ausgewiesen. Unsere Zielperson ist erstaunt: »Eine zweistellige Jahresrendite. Wie machen die das nur?«

Spätestens jetzt ist das Interesse für weitere Details geweckt. Also inspiziert unsere Zielperson die Innenseiten des Werbeprospekts.

Die Anlagepraxis

Abb. 3: Rechte Innenseite des Werbeprospekts

Endlich konkrete Aussagen zu den Assets, in die das Geld fließt.
Der Anspruch an die Investments wurde bereits auf der Rückseite formuiliert:

“Die Generationen Eltern und Großeltern sind voller Bewusstsein  (…) . Für einen global alternativen Kapitalismus der das Menschsein im Auge behält.”

Im Sinne des Anlegerauftrags investiert der Fonds in

  • Kindergärten
  • Nachhilfeeinrichtungen
  • Studentenwohnheime

Nun also die Umsetzung- Es werden so illustre (Firmen-)Namen aufgerufen wie

  • Herbora Invest. Tree House Education (Kindergärten, Deutschland und Indien)
  • Unite Group , Kroton Educational (Wohnheime, Private Unis, GB und Brasilien)
  • Tal Education (Nachhilfe, China)

Vermutlich hat unsere Zielperson genauso wenig von den Unternehmen je gehört, wie wir. Die Argumentation im Prospekt ist aus unserer Sicht frech.

Ein Beispiel: Die Unite Group vermietet exklusive Zimmer an vermögende Auslandsstudent(inn)en in England. Das dahinterstehende Narrativ: Weil nach dem Brexit weniger EU-Bürger die begehrten Studienplätze belegen, erwartet man einen Ansturm vermögender Bewerber aus den Commonwealth-Staaten. Wir halten dies für sehr fraglich und klassifizieren das Investment als höchst spekulativ.

Abb. 4: Preisverlauf der Tree House Education seit 2013

Was die Fondsmanager bewegt, ausgerechnet in einen börsennotierten Kindergarten in Indien (Tree House Education) zu investieren, können wir nur erahnen. Unser moralischer Kompass verweigert sich hierbei! Wie es wohl unserer Zielperson geht, wenn sie erfährt, dass sie durch ihre Investments Teilhaber von Kindergärten geworden ist, die ausschließlich den Privilegierten nutzen und die gesellschaftliche Spaltung in Indien zementieren? Wie war das “Die Generationen Eltern und Großeltern sind voller Bewusstsein (…)”. Man setzt offenbar darauf, dass das Bewusstsein mehr oder weniger Lippenbekenntnis ist und durch Pragmatismus gedehnt werden kann.

Ein Blick auf den Preisverlauf der Aktie zeigt, dass wir mit unserem Mißtrauen nicht ganz allein sind. Im Juli 2015 kostete die Aktie noch 450 Rupien. Im Sommer 2018 waren Spekulanten nur bereit, 7 Rupien pro Aktie zu zahlen. Auch dieses Investment ist höchst Spekulativ.

Abb. 5: Linke Innenseite des Werbeprospekts

Die Auswahl der Einzeltitel erklärt auch die inkohärenten Renditeangaben auf der Rückseite (Abb. 1).  Der Wert des Fonds hat sich in den letzten drei Jahren genauso gut (oder schlecht) entwickelt, wie im vergangen Jahr. In den letzten 5 Jahren hat der Fonds eine fast identische Rendite ausgewiesen, wie im letzten Jahrzehnt. Wenn das Management zufällig einen Wert aufnimmt, der zufällig eine gute Performance aufweist, steigt der Buchwert des Fonds zufällig an. Sonst eben nicht. Das erklärt die langen Phasen stagnierender Fondsbuchwerte.

Fazit

Ein schöner Name, eine gefällige »Story«: Der Ökoworld Rock ‘N’ Roll Fonds glänzt mit weichen Werten. Er wird seinem Anspruch “Erwachsene 50+ und Senioren 70+ sollen mit gutem Gewissen für Kinder (..) und junge Erwachsene kaufen” in keinster Weise gerecht. Das Management setzt (neben Standardwerten wie Pearson, Novo-Nordisk und Wolters Kluver)  auf höchst spekulative Aktieninvestments und auf direkte Beteiligungen (z.B. Haborna Invest). Erstere tragen unendliche Volatilität in den Fonds hinein, letztere sind wegen ihrer mangelhaften Handelbarkeit in einem Publikumsfonds fragwürdig.

Die ausgewiesene Preisentwicklung ist angesichts der eingegangenen Risiken unakzeptabel. Falls ein Anleger je erfährt, was mit seinem Geld tatsächlich angestellt wird, ist es definitiv mit dem guten Gewissen vorbei.

Wir sehen uns in unserem Investmentansatz bestätigt, der Erträge hauptsächlich aus Ausschüttungen generiert.

 


  1. Die Information über die Auflage des Fonds wird auf der Innenseite des Prospekts nachgeholt.