Dr. H. Bischoff

In Abu Dhabi und Saudiarabien (und anderswo?) sind Staatsfonds aktiv, die wie Private-Equity-Fonds agieren, aber deutlich größere Summen platzieren. Sie investieren fern der öffentlichen Kapitalmärkte und scheuen auch keine kreditfinanzierten Investitionen. Die extreme Bewertung einzelner »Unicorns« aus dem Silicon Valley ist ein Ausfluß des Auftretens dieser neuen Klasse von Staatsfonds. Sie gingen und gehen nicht meldepflichtige Beteiligungen in Technologieunternehmen ein und verzerren die Marktpreise in diesen Sektoren.

Die Fakten

  • 50 Staatsfonds vereinen 7 Billionen Dollar ( = 7.000 Mrd. $) Anlagekapital
  • China dominiert. Das Land stellt 2,2 Billion Dollar verteilt auf fünf Einzelfonds bereit.
  • Norwegens Staatsfonds muss dem Parlament regelmäßig Rechenschaft ablegen.
  • Der ökonomische Aufstieg des Stadtstaats Singapore ist wesentlich der aktiven Rolle des Staatsfonds geschuldet.
    Der Fonds ist global diversifiziert in Aktien investiert. Er ist an jedem börsennotierten Unternehmen durchschnittlich zu 1,3 Prozent beteiligt.
  • Die Majorität der Staatsfonds sind im mittleren Osten beheimatet. (UAE =  Abu Dhabi, Saudiarabien, Kuwait, Qatar).  Sie stellen der Weltwirtschaft traditionell Liquidität in Form von Petrodollar1 bereit.

Abb. 1: Die Staatsfonds in der Übersicht (Quelle: FT)

Trotz aller technischen Fortschritte und der jetzt möglichen Erschließung »neuer« Ölvorkommen reichen die globalen Ölvorräte nur noch etwa 70 Jahre. Die Staatsfonds haben für die in der Abb. 1 blau markierten Bereiche zusätzlich die Aufgabe, die gesellschaftliche Transformation in ein Post-Carbon-Zeitalter möglichst ohne Wohlstandseinbußen zu ermöglichen. Die aggressive Investmentpolitik der »neuen Staatsfonds« ist auch dem Scheitern der klassischen Staatsfonds in diesem Bereich geschuldet.

Die Rolle Saudiarabiens

Der  »Public Investment Fund« (PIF) aus Saudiarabien geht in mehrfacher Hinsicht neue Wege. 2016 hat er sich öffentlichkeitswirksam mit 50 Mrd. $ am »Softbank Vision Fund« beteiligt, ist eine 13 %ige Beteiligung an Uber eingegangen und hat sich schließlich zu weiteren Beteiligungen an StartUp’s aus dem Silicon Valley bekannt. Der PIF hat die Rolle eines eher passiven, an langfristigen Erträgen interessiertem Bereitsteller von Liquidität aufgegeben und sucht nun aggressiv nach hohen Erträgen. Hierfür werden ungewöhnliche Risiken eingegangen.

Im Grunde ist PIF, der kleine Bruder des konservativ gemanagten Staatsfond SAMA Foreign Holdings, eine Spielwiese für junge, im Ausland ausgebildete Söhne des Landes, denen man eine nationale Perspektive bieten will. Das Königshaus finanziert jedem qualifizierten Staatsbürger ein Auslandsstudium (für Frauen gilt dies natürlich nicht). Nach dem Abschluß des Studiums bietet das Land kaum Perspektiven. Das Management des spekulativen Staatsfunds dient hier als Ventil.

Staatsfonds streben nach Renditen aus Seed- und Venture-Capital

Die »Söhne Saudiarabiens« drehen so am »großen Rad«. Der Kronprinz höchstpersönlich sorgt für einen scheinbar endlosen Zufluß an Liquidität. Die jungen Männer kennen nur stetig steigende Marktpreise, erkennen dass Beteiligungen an neuen Firmen große Einflußmöglichkeiten und hohe Ertragschancen bieten. Das Ergebnis: Eine Transformation des PIF in einen Venture-Capital-Fund.

Das wirft Fragen auf: Welches Volumen an Venture-Capital ist für eine nachhaltige Entwicklung der jungen Firmen gesund? Sind die hohen Bewertungen für StartUp’s aus dem Silicon Valley (Unicorns) bereits Ergebnis der offenen arabischen Geldschleusen? Hat sich deshalb eine veritable Bewertungsblase gebildet?

Im Sommer 2018 erhalten diese Befürchtungen neue Nahrung.  Bloomberg Businessweek berichtet, dass fern der aktionistischen Unerfahrenheit des Managements des PIF auch »solide« Staatsfonds auf der Suche nach Rendite »Undercover-Engagements« eingegangen sind.2 Auch der in Abu Dhabi ansässige Staatsfonds Mubadala Investment Co. erhielt unlängst eine Kapitalspritze, die dessen »Feuerkraft« verdoppelt.  Mubadala wurde 2002 gegründet und hat, wie der PIF, die Aufgabe, die Transformation der Gesellschaft für die Nach-Öl-Zeit zu erleichtern. Seit 2017 hat der PIF 16 Investitionen getätigt, Mubadala 31. Man stößt langjährige Beteiligungen in kapitalintensiven Sektoren ab und investiert in Technologieunternehnen. So wurde gerade mit der japanischen Softbank eine Vereinbarung zur Gründung eines Fonds vereinbart, der 400 Mio $ in europäische Technologieunternehmen investieren soll, ggf. nach dem Vorbild des Vision-Funds (in den die PIF investiert ist)  kreditbasiert sogar das doppelte.

Staatsfonds treiben über kreditfinanzierte Deals Aktienpreise

Im August 2018 enthüllt die FT3, dass sich der PIF eine Beteiligung über 2 Mrd. $ an Tesla gesichert hat. Die Beteiligung ist gerade noch nicht meldepflichtig und nährt die Spekulation, dass unbemerkt weitere Beteiligungen in den USA aufgebaut wurden – mit der Gefahr der Ausbildung einer Spekulationsblase. Bloomberg Businessweek berichtet analoges vom Mubadala Fonds. In der Vergangenheit oblag es den Staatsfonds Überschußliquidität zu reallokieren, die sich aufgrund eines Außenhandelsüberschusses angesammelt hatte. 2017 markiert in weiterer Hinsicht eine Zäsur. Erstmals investieren die Fonds auf kreditfinanzierter Basis. Den Anfang machte der PIF, dessen Investment in den VisionFund (50 Mrd. $)  durch eine gleiche Summe der Softbank aufgestockt wurde, die sich diese am Kapitalmarkt besorgte. Mubadala möchte seine ambitionierten Investmentziele aktuell noch durch Umschichtungen finanzieren. Konkret sollen Beteiligungen durch einen Börsengang »vergoldet« werden. Es ist jedoch zweifelhaft, ob dies gelingt.

Wir erinnern uns: Vor zwei Jahren strebte Saudiarabien aus gleichem Grund ein IPO von Aramco an. Dieses wurde inzwischen aufgekündigt, weil klar wurde, dass die erhofften Erlöse unmöglich zu erzielen sind. Ob es Mubadala gelingt, die Bestandsbeteiligungen am Kapitalmarkt zu platzieren? Offenbar hegt man selbst Zweifel.  Auf jeden Fall hat das Management bereits den Kontakt zur Softbank aufgenommen, um eine ähnliche Hebelwirkung für Investments zu erzielen, wie der PIff.

Im Ergebnis sind weitere Mittelzuflüsse sowohl in Venture-Capital als auch in Technologie-Aktien absehbar. Der zunehmende Grad der Kreditfinanzierung bietet aber Grund zur Sorge. Solange die Marktrenditen niedrig sind, ist die Finanzierung der Investments aus den Beteiligungserträgen problemlos. Bei steigenden Marktzinsen geraten auch dieses Beteiligungen schnell unter Zugzwang.


  1. Die Staatsfonds des Mittleren Ostens wurden von den Ölverkäufen in die Industrieländer finanziert. Ihre Kernaufgabe war,  durch Investitionen Liquidität in die Industrieländer zurückzuführen. Mit dem Verlust der Preismacht der OPEC haben die Staatsfonds diese Funktion weitgehend eingebüßt. 
  2. Bloomberg BusinessWeek MiddleEast vom 16.8,2016, Seite 10f 
  3. [https://www.ft.com/content/73b700dc-9a2d-11e8-ab77-f854c65a4465](The Financial Times reports that Saudi Arabia’s sovereign wealth fund had taken a $2bn stake in the electric carmaker)